Ein Familienrat ist ein Gremium der Unternehmerfamilie und nicht der operativen Unternehmensführung. Er kann Kommunikation, Information und gemeinsame Familienfragen strukturieren, wenn klar geregelt ist, wer beteiligt wird, welche Aufgaben das Gremium übernimmt und wo seine Grenzen liegen.
Eine Unternehmerfamilie besteht inzwischen aus drei Generationen und mehreren Familienstämmen. Einige Angehörige arbeiten im Unternehmen, andere sind ausschließlich Eigentümer, wieder andere stehen noch am Anfang ihres beruflichen Weges. Bei jedem wichtigen Familienthema alle Beteiligten gleichzeitig zusammenzubringen, wird zunehmend schwierig.
Ein Familienrat kann in einer solchen Situation Aufgaben innerhalb der Unternehmerfamilie bündeln. Er kann Gespräche vorbereiten, Informationen strukturieren, Themen aufnehmen und dafür sorgen, dass bestimmte Familienfragen nicht ausschließlich über informelle Einzelgespräche laufen.
Der Familienrat ist dabei kein zusätzliches Leitungsgremium des Unternehmens. Seine Funktion liegt auf der Seite der Unternehmerfamilie. Damit er sinnvoll arbeiten kann, sollte deshalb klar sein, wer beteiligt ist, wen das Gremium vertritt, welche Aufgaben es besitzt, wie andere Familienmitglieder informiert werden und welche Themen ausdrücklich nicht in den Familienrat gehören.
Die mehrgenerationale Familie aus diesem Beispiel begleitet uns durch den Artikel. An ihr lässt sich zeigen, weshalb ein Familienrat vor allem dann hilfreich wird, wenn Beteiligung, Vertretung, Information und Entscheidungsbefugnisse bewusst voneinander unterschieden werden.
Marek Zalarski
Überblick – Zentrale Fragen
Was versteht man unter einem Familienrat?
Ein Familienrat – im englischsprachigen Raum häufig als Family Council bezeichnet – ist ein Gremium innerhalb einer Unternehmerfamilie.
Er dient dazu, bestimmte familienbezogene Themen regelmäßig und strukturiert zu bearbeiten. Je nach Familie kann er Kommunikation organisieren, gemeinsame Treffen vorbereiten, Informationen weitergeben oder Fragen bearbeiten, die das Verhältnis zwischen Familie, Eigentum und Unternehmen betreffen.
Seine genaue Funktion ist nicht allgemein vorgeschrieben. Das ist wichtig, denn ein Familienrat sollte nicht eingerichtet werden, nur weil ein Governance-Modell ihn vorsieht. Er sollte eine konkrete Aufgabe innerhalb der jeweiligen Unternehmerfamilie erfüllen.
Bei unserer Familie könnte das beispielsweise bedeuten, dass nicht mehr zwölf oder fünfzehn Personen jedes organisatorische Thema gemeinsam vorbereiten müssen. Ein kleineres Gremium übernimmt bestimmte Aufgaben, ohne dadurch automatisch für die gesamte Familie entscheiden zu dürfen.
Der Familienrat gehört damit zur Organisation der Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmerfamilie.
Warum kann ein Familienrat sinnvoll werden?
In kleinen Unternehmerfamilien lassen sich viele Fragen direkt zwischen den beteiligten Personen besprechen. Mit zunehmender Größe wird diese Form der Kommunikation schwieriger.
Mehr Familienmitglieder
Mit jeder Generation steigt häufig die Zahl der Personen, die als Eigentümer oder zukünftige Eigentümer mit dem Unternehmen verbunden sind.
Mehrere Familienstämme
Informationen, Erwartungen und Interessen verteilen sich zunehmend auf unterschiedliche Teile der Familie.
Unterschiedliche Nähe zum Unternehmen
Operativ tätige Familienmitglieder wissen anderes als Angehörige, die das Unternehmen hauptsächlich aus ihrer Eigentümerrolle kennen.
Weniger informeller Kontakt
Wenn Familienmitglieder räumlich oder beruflich weiter auseinanderleben, reichen beiläufige Gespräche immer seltener aus.
Ein Familienrat kann hier einen verlässlichen Kommunikations- und Vorbereitungsraum schaffen. Er ersetzt jedoch nicht automatisch die Beteiligung der gesamten Familie.
Gerade bei unserer mehrgenerationalen Familie wäre deshalb die entscheidende Frage nicht: Wie können wir möglichst viele Menschen in möglichst viele Sitzungen bringen? Sinnvoller wäre: Welche Themen brauchen die Gesamtfamilie, welche können vorbereitet werden und welche Informationen müssen zuverlässig alle relevanten Personen erreichen?
Welche Aufgaben kann ein Familienrat übernehmen?
Die Aufgaben sollten ausdrücklich vereinbart werden. Je nach Unternehmerfamilie können sie unterschiedlich weit reichen.
- Familientreffen vorbereiten und organisatorisch begleiten
- familienbezogene Themen und Anliegen sammeln
- Informationswege innerhalb der Unternehmerfamilie organisieren
- Ergebnisse aus Familiengesprächen dokumentieren und weitergeben
- die Umsetzung gemeinsamer Family-Governance-Regeln beobachten
- Programme für die nächste Generation oder Gesellschafterkompetenz koordinieren
- Fragen für die gesamte Familie vorbereiten, bevor diese gemeinsam entschieden werden
- als klarer Ansprechpartner für bestimmte Anliegen der Unternehmerfamilie dienen
Welche dieser Aufgaben sinnvoll sind, hängt davon ab, welches Problem das Gremium tatsächlich lösen soll.
Bei unserer Familie könnten beispielsweise Informationswege und die Vorbereitung des jährlichen Familientreffens im Vordergrund stehen. Eine andere Familie benötigt den Familienrat vielleicht stärker für Programme der nächsten Generation oder die Pflege gemeinsamer Governance-Regeln.
Ein Familienrat, dessen Aufgabe niemand präzise beschreiben kann, besitzt dagegen schnell nur formale Existenz.
Wie kann ein Familienrat Beteiligung neu organisieren?
Unsere Unternehmerfamilie umfasst inzwischen zwölf erwachsene Familienmitglieder. Einige wohnen in der Region, andere mehrere hundert Kilometer entfernt.
Bislang wurden wichtige Fragen bei einem jährlichen Familientreffen besprochen. Dort mussten gleichzeitig Informationen zum Unternehmen vermittelt, organisatorische Fragen geklärt und grundsätzliche Diskussionen geführt werden.
Die Treffen wurden dadurch zunehmend überladen. Die Familie entscheidet deshalb, einen kleinen Familienrat einzurichten.
Seine Aufgabe besteht nicht darin, anstelle der Familie über zentrale Eigentümerfragen zu entscheiden. Er sammelt Themen, bereitet das Familientreffen vor, koordiniert Informationen und dokumentiert offene Punkte.
Damit wird nicht weniger Beteiligung geschaffen. Beteiligung wird vielmehr anders organisiert.

Wer sollte im Familienrat vertreten sein?
Dafür gibt es keine universelle Zusammensetzung. Die Auswahl sollte sich an der konkreten Funktion des Familienrats orientieren.
| Frage | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Welche Generationen sollen vertreten sein? | Unterschiedliche Generationen können andere Erfahrungen und Zukunftsperspektiven einbringen. |
| Wie werden verschiedene Familienstämme berücksichtigt? | Ein Gremium sollte nicht unbeabsichtigt dauerhaft nur einen Teil der Familie repräsentieren. |
| Müssen Mitglieder Eigentümer sein? | Je nach Aufgabe können Eigentümerstellung und Familienzugehörigkeit unterschiedlich relevant sein. |
| Können Partner oder angeheiratete Familienmitglieder teilnehmen? | Ihre Einbindung hängt vom Selbstverständnis und den vereinbarten Familiengrenzen ab. |
| Wie lange bleibt jemand Mitglied? | Rotation kann Beteiligung verbreitern und verhindern, dass Vertretung dauerhaft mit einzelnen Personen verschmilzt. |
Die entscheidende Frage ist weniger, welche Zusammensetzung theoretisch ideal wäre, sondern ob die Familie nachvollziehen kann, weshalb bestimmte Personen beteiligt sind und wie andere Perspektiven berücksichtigt werden.
Bei unserer Familie könnte beispielsweise jede Generation vertreten sein. Ebenso denkbar wäre eine Vertretung der Familienstämme. Beide Modelle haben unterschiedliche Konsequenzen und sollten nicht zufällig nebeneinander bestehen.
Muss die ganze Familie im Familienrat sitzen?
Nein. Gerade die Idee eines Familienrats besteht häufig darin, dass nicht bei jedem organisatorischen oder vorbereitenden Thema sämtliche Familienmitglieder gleichzeitig beteiligt sein müssen.
Das funktioniert jedoch nur, wenn zwischen Teilnahme, Vertretung und Information unterschieden wird.
Eine Person kann an einem konkreten Gespräch nicht teilnehmen und trotzdem durch einen vereinbarten Informationsweg angemessen eingebunden sein.
Umgekehrt bedeutet die Mitgliedschaft im Familienrat nicht automatisch, dass eine Person für andere Familienmitglieder ohne Rückkopplung sprechen darf.
Deshalb sollte ausdrücklich geklärt werden, ob Mitglieder ihre eigene Perspektive einbringen, einen Familienstamm vertreten oder einen formalen Auftrag der gesamten Familie besitzen.
Gerade diese Unterscheidung kann verhindern, dass später Sätze entstehen wie: „Das wurde doch für uns alle beschlossen“, obwohl ein Teil der Familie davon weder wusste noch dem Familienrat eine entsprechende Entscheidungsbefugnis übertragen hatte.
Wie sollte der Familienrat andere Familienmitglieder informieren?
Ein kleineres Gremium schafft zwangsläufig Informationsunterschiede. Dieser Unterschied muss nicht problematisch sein, sollte aber bewusst organisiert werden.
- Welche Ergebnisse werden nach Sitzungen weitergegeben?
- Wer erhält Protokolle oder Zusammenfassungen?
- Welche Themen werden erst im nächsten Familientreffen vorgestellt?
- Wie können nicht beteiligte Familienmitglieder eigene Themen einbringen?
- Welche Informationen bleiben ausdrücklich vertraulich?
- Wer beantwortet Rückfragen zu Vorschlägen oder Entscheidungen des Familienrats?
Je nachvollziehbarer diese Wege sind, desto geringer ist das Risiko, dass der Familienrat als exklusiver innerer Kreis wahrgenommen wird.
Für unsere Familie könnte beispielsweise vereinbart werden, dass nach jeder Sitzung eine kurze Zusammenfassung an alle erwachsenen Familienmitglieder geht. Sensible personenbezogene Inhalte werden darin nicht wiedergegeben, offene Entscheidungen und nächste Schritte dagegen schon.
So entsteht kein Anspruch darauf, dass jede Person an jeder Sitzung teilnehmen muss – wohl aber ein verlässlicher Anspruch auf die Informationen, die für ihre Rolle relevant sind.
Welche Vertraulichkeit sollte im Familienrat gelten?
Auch hierfür gibt es keine allgemeine Regel. Manche Inhalte sollen bewusst an die gesamte Familie weitergegeben werden. Andere Gespräche können personenbezogene oder sensible Informationen enthalten.
Deshalb erscheint mir sinnvoll, Vertraulichkeit nicht lediglich vorauszusetzen, sondern ausdrücklich zu klären.
Wer darf welche Inhalte anschließend weitergeben? Was wird dokumentiert? Welche Informationen dürfen mit Partnern besprochen werden? Was wird nur in zusammengefasster Form kommuniziert?
Unterschiedliche Erwartungen an Vertraulichkeit werden häufig erst dann sichtbar, wenn bereits jemand das Gefühl hat, dass etwas weitergetragen wurde, was im Raum hätte bleiben sollen.
Eine vorherige Vereinbarung schafft hier mehr Orientierung. Sie sollte zugleich nicht dazu führen, dass der Familienrat zu einem dauerhaften Geheimraum innerhalb der Familie wird.
Was unterscheidet Familienrat, Gesellschafterversammlung und Beirat?
Gerade in größeren Familienunternehmen können mehrere Gremien nebeneinander bestehen. Ihre Funktionen sollten nicht miteinander verschwimmen.
| Gremium | Primärer Bezug | Typische Funktion |
|---|---|---|
| Familienrat | Unternehmerfamilie | Kommunikation, Koordination und familienbezogene Governance |
| Gesellschafterversammlung | Eigentum | Wahrnehmung formaler Gesellschafterrechte und -entscheidungen |
| Beirat oder Aufsichtsorgan | Unternehmen | Strategische Beratung, Aufsicht oder Kontrolle entsprechend seiner konkreten Ausgestaltung |
| Geschäftsführung | Operatives Unternehmen | Leitung und operative Verantwortung |
Die konkrete rechtliche Funktion einzelner Unternehmensgremien ergibt sich aus Gesellschaftsform und vereinbarten Regelungen.
Für die Family Governance ist vor allem wichtig: Der Familienrat sollte nicht informell Aufgaben übernehmen, die eigentlich einem anderen Gremium zugeordnet sind.
Bei unserer Familie könnte der Familienrat beispielsweise eine Eigentümerfrage vorbereiten und unterschiedliche Positionen zusammentragen. Die formale Entscheidung bleibt trotzdem bei der dafür zuständigen Gesellschafterversammlung.
Was sollte ein Familienrat eher nicht tun?
Die konkrete Grenze hängt von seinem Auftrag ab. Einige Vermischungen sind jedoch besonders erklärungsbedürftig.
- operative Einzelentscheidungen der Geschäftsführung übernehmen
- ohne formale Grundlage Eigentümerrechte ersetzen
- Personalentscheidungen des Unternehmens informell bestimmen
- Konflikte dadurch „lösen“, dass nicht vertretene Personen ausgeschlossen werden
- Informationen zurückhalten, die der Gesamtfamilie zugesagt wurden
- dauerhaft Entscheidungen treffen, für die das Gremium nie legitimiert wurde
Ein Familienrat besitzt seine Legitimität nicht allein dadurch, dass er existiert. Entscheidend ist ein verständlicher Auftrag der Familie.
Je stärker ein Familienrat eigene Entscheidungsbefugnisse erhält, desto wichtiger wird deshalb die Frage, wie diese Befugnisse entstanden sind, für welche Themen sie gelten und wie sie gegenüber der Familie nachvollziehbar bleiben.
Darf ein Familienrat Entscheidungen treffen?
Das hängt davon ab, welche Entscheidungsbefugnisse ihm die Familie ausdrücklich übertragen hat und um welche Art von Entscheidung es sich handelt.
Viele Familienräte besitzen vor allem vorbereitende, koordinierende oder kommunikative Aufgaben. Sie können beispielsweise einen Vorschlag für das nächste Familientreffen entwickeln oder organisatorische Entscheidungen im Rahmen ihres Auftrags selbst treffen.
Bei grundlegenden Fragen zu Eigentum, Nachfolge oder langfristiger Familienstrategie sollte dagegen klar sein, welches Gremium oder welcher Personenkreis tatsächlich entscheidungsbefugt ist.
Hilfreich ist deshalb, nicht allgemein zu fragen: „Darf der Familienrat entscheiden?“ Für einzelne Themen sollte genauer unterschieden werden: Entscheidet er selbst, bereitet er vor, spricht er eine Empfehlung aus oder informiert er lediglich?
Diese Klarheit schützt sowohl den Familienrat als auch die übrige Familie vor Erwartungen, die das Gremium gar nicht erfüllen kann oder darf.
Ab wann braucht eine Unternehmerfamilie einen Familienrat?
Eine feste Mindestgröße gibt es nicht. Auch eine große Unternehmerfamilie braucht nicht automatisch einen Familienrat, während ein kleineres Familiensystem bereits von einem klaren Gremium profitieren kann.
- Erreichen wichtige Informationen nicht mehr zuverlässig alle relevanten Personen?
- Sind Familientreffen regelmäßig mit zu vielen unterschiedlichen Aufgaben überladen?
- Gibt es mehrere Generationen oder Familienstämme?
- Werden bestimmte organisatorische Fragen immer wieder ungeklärt zwischen Einzelpersonen weitergegeben?
- Fehlt eine klare Stelle für familienbezogene Themen?
- Würde ein kleineres Gremium die Kommunikation tatsächlich erleichtern?
Wenn diese Fragen überwiegend mit Nein beantwortet werden, braucht die Familie möglicherweise keinen Familienrat.
Bei unserer Familie dagegen spricht einiges dafür: Die Zahl der Beteiligten ist gestiegen, Familientreffen sind überladen und wichtige Informationen müssen inzwischen über mehrere Generationen und Familienstämme hinweg organisiert werden.
Governance sollte Komplexität bearbeiten – nicht neue Komplexität erzeugen.
Wie kann ein Familienrat sinnvoll eingerichtet werden?
Ausgangspunkt sollte nicht die Besetzung, sondern die Aufgabe sein. Erst wenn klar ist, wofür der Familienrat gebraucht wird, lässt sich seine Struktur sinnvoll festlegen.
- Bedarf klären: Welches konkrete Kommunikations- oder Organisationsproblem soll der Familienrat bearbeiten?
- Auftrag formulieren: Welche Aufgaben übernimmt das Gremium – und welche ausdrücklich nicht?
- Beteiligung festlegen: Wer ist Mitglied, wie werden verschiedene Generationen oder Familienstämme berücksichtigt und wie lange gelten Mandate?
- Entscheidungsbefugnisse klären: Was darf der Familienrat selbst entscheiden, was nur vorbereiten oder empfehlen?
- Informationswege vereinbaren: Wie erfahren andere Familienmitglieder von Ergebnissen und wie können sie Themen einbringen?
- Vertraulichkeit festlegen: Welche Inhalte dürfen weitergegeben werden und welche bleiben geschützt?
- Funktion überprüfen: Nach einer gewissen Zeit sollte die Familie prüfen, ob das Gremium tatsächlich den vorgesehenen Nutzen schafft.
Für unsere Familie könnte am Ende beispielsweise ein dreiköpfiger Familienrat entstehen, der für zwei Jahre gewählt wird, das jährliche Familientreffen vorbereitet, Anliegen sammelt und regelmäßig an die gesamte Familie berichtet.
Ebenso wichtig wäre festzuhalten, was dieser Familienrat nicht darf: etwa Eigentümerentscheidungen ersetzen oder ohne Mandat für einen ganzen Familienstamm sprechen.
So entsteht das Gremium aus einer konkreten Funktion und nicht als Governance-Symbol.
Welche Beziehung besteht zwischen Familienrat und Familienverfassung?
Eine Unternehmerfamilie kann in ihrer Familienverfassung festhalten, dass ein Familienrat eingerichtet wird.
Dort können beispielsweise Zusammensetzung, Aufgaben, Wahlverfahren, Amtszeiten oder Informationspflichten grundsätzlich beschrieben werden.
Die beiden Instrumente erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen. Die Familienverfassung hält gemeinsam entwickelte Leitlinien und Regeln fest. Der Familienrat ist ein Gremium, das bestimmte Aufgaben innerhalb dieser Governance-Struktur tatsächlich wahrnehmen kann.
Entscheidend ist nicht nur das Dokument. Auch der Prozess, in dem solche Regeln entstehen, hat Bedeutung. Eine formal perfekte Regelung trägt wenig, wenn die Familie nicht nachvollziehen kann, weshalb sie vereinbart wurde oder wer sie legitimiert hat.
Ein Dokument kommuniziert nicht von selbst – und ein Gremium sollte nicht ohne nachvollziehbare Regeln dauerhaft arbeiten.
Welche Rolle kann der Familienrat bei einer Familienstrategie spielen?
Eine Familienstrategie betrifft grundlegende Zukunftsfragen der Eigentümerfamilie. Sie sollte deshalb nicht einfach von einem kleinen Gremium für alle anderen festgelegt werden.
Ein Familienrat kann einen Strategieprozess jedoch organisatorisch unterstützen. Er kann Themen sammeln, Gespräche vorbereiten, Informationen zugänglich machen oder darauf achten, dass vereinbarte Fragen später wieder aufgegriffen werden.
Bei unserer Familie könnte der Familienrat beispielsweise die Geschichte des Unternehmens, wichtige Werte und bestehende Regelungen zusammentragen und anschließend einen breiteren Familienprozess vorbereiten.
Dabei sollte die bisherige Unternehmens- und Familiengeschichte nicht nur als Problemquelle betrachtet werden. Sie kann wichtige Ressourcen enthalten: Erfahrungen, Entscheidungen und Prinzipien, die das Unternehmen über Jahrzehnte getragen haben. Gleichzeitig braucht die nächste Generation ausreichend Raum für neue Vorstellungen.
Die inhaltliche Richtung benötigt deshalb eine ausreichende Beteiligung und Legitimation derjenigen Familienmitglieder, die von den jeweiligen Entscheidungen betroffen sind.
Was unter einer Familienstrategie verstanden wird, behandelt der Beitrag Was ist eine Familienstrategie?.
Weitere Fragen zum Familienrat
Ist ein Familienrat gesetzlich vorgeschrieben?
Nein. Der Familienrat ist ein Instrument der Family Governance und kein allgemein gesetzlich vorgeschriebenes Unternehmensorgan. Seine konkrete Ausgestaltung entsteht aus den Vereinbarungen der Unternehmerfamilie.
Wie viele Personen sollten einem Familienrat angehören?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Das Gremium sollte klein genug sein, um arbeitsfähig zu bleiben, und gleichzeitig so zusammengesetzt sein, dass seine Funktion und Legitimation innerhalb der Familie nachvollziehbar sind.
Können angeheiratete Familienmitglieder im Familienrat sitzen?
Das kann möglich sein. Die Entscheidung hängt davon ab, wie die Unternehmerfamilie Familienzugehörigkeit definiert, welche Funktion der Familienrat besitzt und welche Beteiligungsregeln gemeinsam vereinbart wurden.
Ist der Familienrat dasselbe wie die Gesellschafterversammlung?
Nein. Die Gesellschafterversammlung gehört zur formalen Eigentümer- und Gesellschaftsstruktur. Der Familienrat ist ein Governance-Gremium der Unternehmerfamilie und besitzt nicht automatisch dieselben Rechte oder Entscheidungsbefugnisse.
Kann ein Familienrat Konflikte lösen?
Er kann einen geregelten Kommunikationsraum schaffen und vereinbarte Konfliktwege unterstützen. Bei stark eskalierten oder persönlichen Konflikten ist jedoch nicht automatisch der Familienrat selbst der passende Ort – insbesondere dann, wenn Mitglieder des Gremiums Teil des Konflikts sind.
Wie verhindert man, dass der Familienrat zu einem exklusiven inneren Kreis wird?
Vor allem durch einen klaren Auftrag, nachvollziehbare Auswahl- oder Wahlverfahren, geregelte Informationswege und Möglichkeiten für andere Familienmitglieder, Themen einzubringen. Auch regelmäßige Rotation kann je nach Familie sinnvoll sein.
Passende Beiträge
Die folgenden Beiträge vertiefen die Zusammenarbeit der Unternehmerfamilie, gemeinsame Regeln, strategische Fragen und die passende Beteiligung an Familiengesprächen.
Vertiefende Quellen
-
Suess-Reyes, Julia (2017): Understanding the Transgenerational Orientation of Family Businesses
– untersucht langfristige Orientierung, Familienstrategie und Governance als Bestandteile generationenübergreifender Unternehmensfamilien. -
Koładkiewicz, Izabela (2014): The Family Meeting as a Mechanism of Family Governance
– ordnet strukturierte Familiengremien und Familientreffen als Mechanismen der Kommunikation und Governance in Unternehmerfamilien ein. -
Zellweger, Thomas & Kammerlander, Nadine (2015): Family, Wealth, and Governance
– behandelt Governance-Fragen an den Schnittstellen von Familie, Eigentum und unternehmerischer Verantwortung. -
WIFU-Stiftung: Drei-Kreise-Modell des Familienunternehmens
– veranschaulicht die Überlagerung von Familie, Eigentum und Unternehmen und unterstützt die Abgrenzung unterschiedlicher Rollen und Gremien. -
Center for Family Business der Universität St. Gallen: Managing the Family Business
– ordnet Family Governance, Eigentümerrollen, Nachfolge und familienbezogene Organisationsformen systematisch ein. -
KMU-Portal des Bundes: Corporate Governance
– erläutert grundlegende Funktionen und die Abgrenzung formaler Unternehmensgremien, die von familienbezogenen Governance-Strukturen unterschieden werden sollten.

