Allparteilichkeit bedeutet in Konflikten nicht, alle Aussagen für gleich richtig zu halten. Gemeint ist eine professionelle Haltung, die unterschiedliche Perspektiven ernst nimmt, eigene Bewertungen reflektiert und verhindert, dass ein Klärungsprozess zum Instrument einer einzelnen Seite wird.
Zwei Geschwister streiten seit längerer Zeit über ihre Rollen im Familienunternehmen. Eines von ihnen sucht schließlich nach externer Unterstützung und führt das erste Gespräch mit einer beratenden Person.
Für das andere Geschwister entsteht sofort eine sensible Frage: Ist diese Person jetzt eigentlich schon auf der Seite meines Bruders oder meiner Schwester?
Genau an diesem Punkt wird Allparteilichkeit relevant. Sie beschreibt eine professionelle Haltung in Konflikten, bei der unterschiedliche Perspektiven ernst genommen und verstehbar gemacht werden, ohne dass die externe Person den Prozess zum Instrument einer einzelnen Seite werden lässt.
Allparteilichkeit bedeutet dabei weder vollständige Wertfreiheit noch die Behauptung, alle Positionen seien gleich überzeugend. Sie zeigt sich vielmehr darin, wie mit unterschiedlichen Menschen, Interessen, Rollen und Machtverhältnissen im konkreten Prozess umgegangen wird.
Marek Zalarski
Überblick – Zentrale Fragen
Was bedeutet Allparteilichkeit konkret?
Allparteilichkeit bedeutet, dass eine begleitende Person versucht, die Perspektiven der beteiligten Menschen jeweils nachvollziehbar zu verstehen und im Gespräch zugänglich zu machen.
Das unterscheidet sich von der Vorstellung, möglichst weit von allen Beteiligten entfernt zu bleiben. Eine allparteiliche Person kann sich zeitweise intensiv für die Sicht eines Familienmitglieds interessieren, Fragen stellen und dessen Anliegen genauer verstehen. Danach kann sie dasselbe mit einer anderen Person tun.
Entscheidend ist, dass daraus keine dauerhafte Koalition entsteht. Im Beispiel der Geschwister darf das erste Gespräch mit einer Seite deshalb nicht dazu führen, dass deren Erklärung anschließend zum Maßstab für den gesamten Konflikt wird.
Für mich bedeutet Allparteilichkeit auch, die eigene Sicht auf das Geschehen immer wieder zu überprüfen. Fachliches Wissen hilft mir, Rollen, Beziehungen, Strukturen und Konfliktdynamiken einzuordnen. Gleichzeitig versuche ich, dieses Wissen nicht vorschnell auf eine konkrete Familie zu übertragen.
Eine Erklärung, die im ersten Gespräch sehr überzeugend klingt, bleibt deshalb zunächst eine Hypothese. Die anderen Beteiligten müssen die Möglichkeit haben, diese Sicht zu ergänzen, zu korrigieren oder vollständig infrage zu stellen.
Bedeutet Allparteilichkeit, alle exakt gleich zu behandeln?
Nein. Gleichbehandlung und Allparteilichkeit sind nicht dasselbe. Menschen können im selben Konflikt sehr unterschiedliche Rollen, Informationsstände und Bedürfnisse haben.
Unterschiedliche Gesprächsbedürfnisse
Eine Person benötigt möglicherweise mehr Zeit, um eine komplexe Situation zu erklären, während eine andere ihr Anliegen sehr knapp formulieren kann.
Unterschiedliche Betroffenheit
Ein Thema kann einzelne Familienmitglieder deutlich stärker betreffen als andere. Das darf sich auch im Gespräch zeigen.
Unterschiedliche Rollen
Geschäftsführung, Gesellschafter:innen und andere Familienmitglieder tragen nicht dieselbe Verantwortung und benötigen deshalb teilweise unterschiedliche Fragen.
Unterschiedliche Macht
Formale und informelle Machtunterschiede können relevant sein und sollten nicht dadurch unsichtbar werden, dass alle Beteiligten formal identisch behandelt werden.
Allparteilichkeit verlangt deshalb nicht, Redezeit mit der Stoppuhr zu verteilen oder jede Aussage mit einer gleich langen Gegenposition zu beantworten.
Entscheidend ist, dass relevante Perspektiven einen fairen Zugang zum Prozess erhalten und niemand systematisch bevorzugt, abgewertet oder aus der Verständigung gedrängt wird.
Was bedeutet Allparteilichkeit beim Erstkontakt?
Eine Schwester ruft eine externe Begleitung an, weil sie den Konflikt mit ihrem Bruder nicht mehr allein klären kann. Im Erstgespräch beschreibt sie ausführlich ihre Sicht auf die vergangenen Monate.
Damit besitzt die externe Person zunächst zwangsläufig mehr Informationen aus ihrer Perspektive. Allparteilichkeit bedeutet nicht, so zu tun, als habe dieses Gespräch nie stattgefunden.
Wichtiger ist, den Rahmen transparent zu machen: Welche Funktion hatte das Erstgespräch? Welche Informationen sind für einen gemeinsamen Prozess relevant? Was bleibt vertraulich? Welche Informationen dürfen oder müssen in einem gemeinsamen Setting bekannt sein? Und wie erhält der Bruder ausreichend Gelegenheit, seine eigene Sicht einzubringen?
Problematisch wäre nicht der Erstkontakt selbst. Problematisch würde es, wenn aus dem Informationsvorsprung eine dauerhafte Koalition oder eine vorgefertigte Bewertung des Konflikts entstünde.
Gerade bei Familienunternehmen halte ich diese Klärung für wichtig, weil persönliche Beziehungen, Eigentum und operative Verantwortung häufig gleichzeitig berührt sind. Wer zuerst anruft, hat dadurch nicht automatisch mehr Recht auf Deutungshoheit.

Was ist der Unterschied zwischen Neutralität und Allparteilichkeit?
Beide Begriffe werden in Beratung, systemischer Arbeit und Mediation unterschiedlich verwendet und häufig miteinander verbunden. Für die Orientierung kann eine funktionale Unterscheidung helfen.
| Begriff | Hilfreiche Grundidee | Mögliche Fehlinterpretation |
|---|---|---|
| Neutralität | Die externe Person macht sich nicht dauerhaft eine Konfliktposition zu eigen. | Neutralität bedeute emotionale Distanz oder völlige Wertfreiheit. |
| Allparteilichkeit | Die externe Person bemüht sich aktiv um Zugang zu unterschiedlichen Perspektiven. | Jede Position müsse gleich richtig oder gleich berechtigt sein. |
| Gleichbehandlung | Vergleichbare Situationen werden nach nachvollziehbaren Kriterien behandelt. | Jeder Mensch benötige exakt dieselbe Gesprächszeit und dieselben Fragen. |
In der Praxis müssen Neutralität und Allparteilichkeit deshalb nicht als Gegensätze verstanden werden. Neutralität betont eher die Unabhängigkeit von einer dauerhaft übernommenen Konfliktposition, Allparteilichkeit stärker die aktive Hinwendung zu den verschiedenen Perspektiven.
Für die Beteiligten ist letztlich weniger entscheidend, welcher Fachbegriff verwendet wird. Wichtiger ist, ob sie erleben, dass die externe Person offen bleibt und ihre Rolle nachvollziehbar gestaltet.
Muss eine allparteiliche Person jede Position akzeptieren?
Nein. Allparteilichkeit bedeutet nicht, jede Aussage, jedes Verhalten oder jede Forderung gleichermaßen gutzuheißen.
- Beleidigungen müssen nicht als legitime Konfliktstrategie akzeptiert werden.
- Drohungen oder Einschüchterung dürfen benannt werden.
- Vereinbarte Gesprächsregeln können eingefordert werden.
- Nachprüfbar falsche Tatsachenbehauptungen müssen nicht aus vermeintlicher Neutralität unkommentiert bleiben.
- Rechtliche oder formale Machtunterschiede dürfen sichtbar gemacht werden.
- Freiwilligkeit, Sicherheit und ein arbeitsfähiger Gesprächsrahmen bleiben relevante Grenzen.
Die Kunst besteht darin, Verhalten oder Aussagen begrenzen zu können, ohne den betreffenden Menschen als Person aus dem Prozess auszuschließen.
Wenn beispielsweise ein Bruder seine Schwester während des Gesprächs wiederholt abwertet, wäre es nicht allparteilich, dies aus Sorge vor einer vermeintlichen Parteinahme einfach laufen zu lassen. Der Gesprächsrahmen gilt für alle Beteiligten.
Allparteilichkeit schützt damit nicht jede Verhaltensweise. Sie schützt den fairen Zugang der beteiligten Personen zum Klärungsprozess.
Wie geht Allparteilichkeit mit Machtunterschieden um?
Gerade in Familienunternehmen sitzen selten ausschließlich Menschen mit identischen Einflussmöglichkeiten am Tisch.
Ein Vater kann zugleich Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer sein. Seine Tochter ist vielleicht mögliche Nachfolgerin, derzeit aber Angestellte. Ein Geschwister besitzt Anteile, arbeitet jedoch nicht operativ im Unternehmen.
Diese Personen können nicht so behandelt werden, als seien ihre formalen Rollen identisch. Eine allparteiliche Haltung darf solche Unterschiede nicht ausblenden.
Wer formal mehr entscheiden darf, hat möglicherweise tatsächlich mehr Einfluss. Gleichzeitig können familiäre Loyalität, wirtschaftliche Abhängigkeit, Informationsvorsprünge oder persönliche Beziehungen zusätzliche informelle Macht erzeugen.
Allparteilichkeit bedeutet deshalb auch, Machtverhältnisse wahrzunehmen, ohne daraus vorschnell moralische Kategorien von „stark“ und „schwach“ zu bilden.
Ein fairer Prozess kann Unterschiede in Entscheidungsbefugnissen sichtbar machen und zugleich sicherstellen, dass weniger mächtige Beteiligte ihre Perspektive überhaupt einbringen können. Er kann jedoch formale Eigentums- oder Führungsrechte nicht einfach aufheben.
Woran lässt sich Allparteilichkeit erkennen?
Der Begriff selbst ist zunächst nur eine Selbstbeschreibung. Entscheidend ist, wie die Arbeitsweise tatsächlich erlebt wird.
- Unterschiedliche Perspektiven werden aktiv erfragt und nicht nur formal zugelassen.
- Die externe Person erklärt transparent, welche Rolle und welchen Auftrag sie übernimmt.
- Eigene Beobachtungen werden als Beobachtungen oder Hypothesen kenntlich gemacht.
- Frühere Einzelgespräche und mögliche Informationsunterschiede werden nachvollziehbar eingeordnet.
- Niemand erlebt dauerhaft, dass seine Perspektive grundsätzlich weniger erwünscht ist.
- Die externe Person kann auch derjenigen Seite kritische Fragen stellen, mit der der Erstkontakt entstanden ist.
- Gesprächsregeln gelten für alle Beteiligten nachvollziehbar.
- Die Verantwortung für die eigentlichen Entscheidungen bleibt bei den dafür zuständigen Personen.
Für mich ist deshalb die konkrete Erfahrung im Prozess wichtiger als die bloße Aussage: „Ich bin neutral.“
Bei den beiden Geschwistern würde sich Allparteilichkeit beispielsweise auch daran zeigen, ob die Schwester, die den Erstkontakt hergestellt hat, später ebenso mit irritierenden oder kritischen Fragen rechnen muss wie ihr Bruder.
Allparteilichkeit ist damit keine einmal erworbene Eigenschaft. Sie muss sich während des Prozesses immer wieder bewähren.
Welche Bedeutung hat die Ausbildung einer externen Person?
Allparteilichkeit lässt sich nicht allein durch einen Abschluss oder ein Zertifikat garantieren. Trotzdem kann eine fundierte Ausbildung Vertrauen schaffen, weil professionelle Rollen, Auftragsklärung, Selbstreflexion und der Umgang mit unterschiedlichen Interessen dort systematisch bearbeitet werden.
In der Mediation gehören beispielsweise Selbstbestimmung der Beteiligten, Verfahrensgestaltung, Rollenklärung und der Umgang mit Konfliktpositionen zum professionellen Kern.
Auch systemische Ausbildungen beschäftigen sich mit Neutralität, Allparteilichkeit, Hypothesenbildung und der Reflexion eigener Annahmen.
Entscheidend bleibt trotzdem, ob sich diese Haltung im konkreten Gespräch zeigt. Eine Qualifikation kann ein wichtiges Vertrauenssignal sein. Sie ersetzt nicht die tatsächliche Erfahrung der Beteiligten.
Was hat Allparteilichkeit mit Selbstreflexion zu tun?
Auch externe Begleiter:innen bilden Eindrücke. Sie entwickeln Hypothesen darüber, weshalb ein Konflikt festgefahren ist oder welche Dynamik möglicherweise wirkt.
Problematisch ist nicht, dass solche Gedanken entstehen. Entscheidend ist der Umgang damit.
- Wird eine Beobachtung als Hypothese oder als Tatsache formuliert?
- Können die Beteiligten eine Interpretation zurückweisen?
- Werden alternative Erklärungen weiter geprüft?
- Ist die externe Person bereit, ihre eigene Einschätzung zu verändern?
- Wird eine Person vorschnell zum Problemträger erklärt?
- Bleibt die Familie Expertin für ihre eigene Situation?
Gerade nach einem ausführlichen Erstgespräch kann eine erste Erklärung sehr plausibel wirken. Vielleicht beschreibt die Schwester ihren Bruder als jemanden, der Verantwortung vermeidet. Nach seinem Gespräch könnte jedoch eine andere Hypothese entstehen: Vielleicht erlebt er seine Handlungsspielräume seit Jahren als so begrenzt, dass Zurückhaltung für ihn eine nachvollziehbare Reaktion geworden ist.
Beide Erklärungen können Aspekte der Situation treffen. Keine sollte vorschnell zur Wahrheit über die Familie werden.
Zu professioneller Allparteilichkeit gehört für mich deshalb auch Zurückhaltung gegenüber den eigenen guten Ideen. Eine überzeugende Erklärung bleibt zunächst ein Angebot.
Was kann man tun, wenn sich eine Person benachteiligt fühlt?
Ein solcher Eindruck sollte nicht vorschnell mit dem Hinweis beantwortet werden, die externe Person sei selbstverständlich neutral oder allparteilich.
Interessanter ist zunächst, was den Eindruck ausgelöst hat. Wurde eine Person deutlich häufiger unterbrochen? Hat ein Einzelgespräch stattgefunden, über dessen Funktion die anderen nichts wussten? Wurde eine Hypothese so formuliert, dass sie wie eine Diagnose einer Konfliktseite wirkte?
Vielleicht beruht der Eindruck auch auf einer anderen Erwartung an die Rolle der Begleitung. Eine Person erwartet möglicherweise, dass die externe Begleitung ihr ausdrücklich recht gibt, sobald sie ihre Sicht überzeugend dargestellt hat.
In jedem Fall sollte die Wahrnehmung besprechbar sein. Gerade der Satz „Ich habe den Eindruck, Sie stehen inzwischen auf der anderen Seite“ kann wichtige Informationen über den Prozess liefern.
Allparteilichkeit bedeutet nicht, dass sich niemals jemand benachteiligt fühlen darf. Entscheidend ist, ob solche Erfahrungen ausreichend sicher angesprochen, überprüft und gegebenenfalls durch eine Veränderung der Arbeitsweise beantwortet werden können.
Muss eine allparteiliche Begleitung auf einen Kompromiss hinauslaufen?
Nein. Allparteilichkeit beschreibt die Haltung und Gestaltung des Prozesses, nicht ein vorgeschriebenes Ergebnis.
Einigung
Die Beteiligten können eine gemeinsame Lösung entwickeln, die ihre wichtigsten Interessen ausreichend berücksichtigt.
Klare Entscheidung
Eine formal entscheidungsberechtigte Person oder ein Gremium kann nach einem fairen Klärungsprozess eine Entscheidung treffen, die nicht alle bevorzugen.
Bleibender Unterschied
Ein Prozess kann hilfreich sein, wenn danach klarer verstanden wird, an welchem Punkt keine gemeinsame Position besteht.
Nächster Schritt
Manchmal besteht das Ergebnis zunächst darin, ein passenderes Gesprächs- oder Entscheidungsformat festzulegen.
Fairer Prozess und vollständige Einigkeit sind damit zwei unterschiedliche Dinge.
Bei den beiden Geschwistern könnte beispielsweise deutlich werden, dass beide die Vergangenheit inzwischen besser verstehen, sich bei der künftigen Rollenverteilung aber weiterhin nicht einigen. Auch dann kann der Prozess hilfreich gewesen sein, wenn nun klarer ist, welche Entscheidung auf welcher Ebene getroffen werden muss.
Kann ein Gespräch allparteilich sein, wenn wichtige Personen fehlen?
Das hängt vom Auftrag ab. Eine einzelne Person kann selbstverständlich ihre eigene Rolle in einem Konflikt reflektieren, ohne dass alle anderen Familienmitglieder anwesend sind.
Soll jedoch eine gemeinsame Entscheidung vorbereitet oder ein Konflikt zwischen mehreren Personen geklärt werden, wird die Beteiligungsfrage wesentlich.
Eine externe Person kann nicht dauerhaft die Sicht eines abwesenden Familienmitglieds vertreten. Sie kann allenfalls Hypothesen darüber anregen, welche Perspektive möglicherweise noch fehlt.
Deshalb sollte geklärt werden, wer zu welchem Zeitpunkt beteiligt wird, wer über Ergebnisse informiert werden muss und welche Inhalte vertraulich bleiben. Nicht jedes Thema benötigt sofort die gesamte Familie im Raum.
Welche Personen in welchem Setting sinnvoll beteiligt werden sollten, behandelt der Beitrag Wer sollte an Gesprächen teilnehmen?.
Weitere Fragen zur Allparteilichkeit
Ist Allparteilichkeit dasselbe wie Neutralität?
Die Begriffe überschneiden sich und werden in unterschiedlichen Fachrichtungen verschieden verwendet. Vereinfacht betont Neutralität stärker, keine dauerhafte Konfliktposition zu übernehmen, während Allparteilichkeit den aktiven Zugang zu den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten hervorhebt.
Muss eine allparteiliche Person jede Meinung akzeptieren?
Nein. Menschen und ihre Perspektiven können respektiert werden, ohne jede Aussage oder jedes Verhalten inhaltlich zu billigen. Grenzen, Gesprächsregeln und problematisches Verhalten dürfen auch in einem allparteilichen Prozess benannt werden.
Kann eine Person allparteilich sein, wenn sie zuerst nur mit einer Konfliktseite gesprochen hat?
Ein Erstkontakt verhindert Allparteilichkeit nicht automatisch. Wichtig sind Transparenz über den bisherigen Kontakt, klare Vertraulichkeitsregeln und ausreichend Gelegenheit für andere Beteiligte, ihre eigene Sicht in den Prozess einzubringen.
Was passiert, wenn ich das Gefühl habe, die Begleitung steht auf der anderen Seite?
Dieser Eindruck sollte im Prozess angesprochen werden können. Hilfreich ist, konkret zu betrachten, wodurch er entstanden ist und ob Arbeitsweise, Fragen, Informationsstände oder Rollen neu geklärt werden müssen.
Ist Allparteilichkeit bei starken Machtunterschieden überhaupt möglich?
Allparteilichkeit beseitigt Machtunterschiede nicht. Sie verlangt vielmehr, relevante Unterschiede in Rollen, Entscheidungsbefugnissen und Abhängigkeiten wahrzunehmen und nicht durch scheinbar identische Behandlung zu verdecken.
Wer entscheidet am Ende über eine Lösung?
Die externe Begleitung unterstützt den Klärungsprozess, übernimmt aber nicht automatisch die Entscheidung. Welche Person oder welches Gremium entscheiden darf, richtet sich nach Eigentum, Führung, vereinbarten Zuständigkeiten und der jeweiligen Fragestellung.
Passende Beiträge
Die folgenden Beiträge vertiefen Auftrag, Beteiligung, Konfliktdynamik und die besonderen Rollen in Familienunternehmen.
Vertiefende Quellen
-
Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie: Ethik-Richtlinien
– beschreibt Achtung, Respekt, Wertschätzung und Allparteilichkeit als Bestandteile professioneller systemischer Haltung. -
Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie: Systemische Supervision
– ordnet Neutralität, Reflexivität, Perspektivwechsel und die Achtung unterschiedlicher Sichtweisen in systemisches Arbeiten ein. -
WIFU-Stiftung: Konflikte und Konfliktdynamiken in Unternehmerfamilien
– erläutert typische Konfliktdynamiken in Unternehmerfamilien und die besondere Bedeutung überlagerter familiärer und unternehmerischer Rollen. -
WIFU-Stiftung: Drei-Kreise-Modell des Familienunternehmens
– veranschaulicht die Überlagerung von Familie, Unternehmen und Eigentum und hilft, unterschiedliche Rollen und Einflussmöglichkeiten im Konflikt einzuordnen. -
Rüsen, Tom A. & von Schlippe, Arist (2007): Krisen und Konflikte in Familienunternehmen
– untersucht typische Konfliktlagen in Familienunternehmen und die Wechselwirkungen zwischen familiären Beziehungen und unternehmerischen Anforderungen. -
von Schlippe, Arist & Rüsen, Tom A. (2024): Konfliktdynamiken in Familie und Unternehmen
– ordnet Konfliktmuster, Rollenüberlagerungen und professionelle Formen der Reflexion in Unternehmerfamilien systemisch ein.

